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Archiv für die Kategorie „Interviews“

FHM setzt erfolgreich auf Facebook

Montag, 6. September 2010

Wer sich heute im Internet als Unternehmen präsentieren will, der braucht mehr als nur eine virtuelle Visitenkarte. Social Media heißt das Zauberwort. Bereits dort zu sein, wo sich die eigene Kundschaft aufhält und sich dabei auf den Dialog mit ihnen einzulassen. Eine Fanpage auf Facebook, einen Account bei Twitter, einen an den Firmenauftritt angeschlossenen Blog – es gibt viele Möglichkeiten, sich an die Kunden zu wenden. Wegweisend zeigt sich hierbei FHM. Das Männermagazin stellte Ende Juli seine Online-Ausgabe des Männermagazins ein und ist nur noch über die eigene Facebook-Fanpage zu erreichen. Über die Gründe und den erhofften Erfolg sprach Wörterladen mit Christian Kallenberg, Chefredakteur von FHM.

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Wörterladen: Bei Bekanntgabe Ihrer Online-Strategie wurde die Tage darauf im Internet viel über den Facebook-Auftritt von FHM diskutiert. Ihr bisheriges Online-Magazin wurde zeitgleich abgeschaltet und man kam nur noch auf Ihre Facebook-Seite. Wie war die Reaktion Ihrer Leser darauf? Haben Sie durch die News eine größere Facebook-Fangemeinde erhalten?

C. Kallenberg: Die Zahl der Fans von FHM Germany auf Facebook ist innerhalb weniger Tage um viele Tausend auf mittlerweile über 32.000 angestiegen, eine Entwicklung, mit der wir sehr zufrieden sind und ein toller Erfolg!

Wörterladen: Ist Ihr Facebook-Auftritt eine mittel- bis langfristige Strategie oder nur eine Übergangslösung?

C. Kallenberg: Grundsätzlich ver- suchen wir mit der Marke FHM unsere Konsumenten dort abzuholen, wo sie sich eh schon aufhalten. Das ist zurzeit nun mal in der Freizeit überwiegend auch bei Facebook.

Unsere Leser wünschen sich, mitreden zu können: über Fußball, über Frauen, über aktuelle Themen. Talkback, Kritik, weitere Hintergründe zu Heftthemen. Und das im beliebtesten Umfeld des Netzes findet man nur bei Facebook, wo wir das mit Abstand beliebteste Männer-Lifestylemagazin sind.

Ein guter Grund, dass wir uns verstärkt auf Social Media konzentrieren und unsere Leser dort abholen, wo sie sich im Netz aufhalten. Zudem sehen wir hier ein größeres Potential bei PR- und Marketingaktivitäten für FHM.

Zu guter Letzt hat uns auch die wirtschaftliche Entwicklung von fhm-online.de bei dieser Entscheidung geholfen.

Wörterladen: Facebook ist nicht darauf ausgelegt, lange Texte angereichert mit Fotostrecken zu präsentieren. Sondern kurze Kommentare mit Verlinkungen zu anderen Internetseiten. Optisch kann man an der eigenen Facebook-Seite nicht viel verändern und die Reiter wirken alles andere als attraktiv. Wird da ein Medium wie FHM nicht ad absurdum geführt?

C. Kallenberg: Natürlich kann Facebook nicht alle Markeninhalte von FHM abbilden. Das wollen wir allerdings auch nicht. Wir nutzen Facebook genau dazu, wozu es erfunden wurde: Um den Kontakt mit unseren Freunden und Fans zu halten und um uns mit ihnen auszutauschen. Facebook kann kein Magazin-Substitut sein. Die tollen Texte und Fotos gibt es wie gewohnt am Kiosk.

Wörterladen: Warum haben Sie nicht die Lösung gewählt, Ihr Online-Magazin enger mit Facebook und Twitter zu verknüpfen – wie es beispielsweise Die Welt macht (zu vielen Artikeln kann man sich direkt mit den Twitter-Redakteuren in Verbindung setzen)? Ein Magazin lebt doch von Bildern und Reportagen, die in Szene gesetzt sind.

C. Kallenberg: Das haben wir getan. Fakt bleibt aber, dass die meiste Interaktion auf Facebook direkt stattfindet.

Wörterladen: Wie gestaltet sich nun der Arbeitstag Ihrer Redaktion? Müssen Ihre Redakteure nun Social Media Experten sein?

C. Kallenberg: In der Redaktion kommt es manchmal zu Wettbewerben, wer die meisten Kommentare auf seine Posts bekommt. Die Kollegen nehmen die Möglichkeit, direkt mit unseren Kunden zu kommunizieren begeistert an. Zu 100% nutzen sie Facebook auch privat. Ob wir dadurch schon als Experten gelten, überlasse ich anderen zu beurteilen, zumal ich die Definition eines Social Media Experten nicht kenne.

Wörterladen: Was ist Ihnen das Wichtigste bei Ihrem Facebook-Auftritt? Der direkte Kontakt zum Leser? Hat Ihnen das beim Online-Magazin gefehlt?

C. Kallenberg: Ja genau, die schnelle und direkte Interaktion mit den Lesern ist so nun optimal.

Wörterladen: Wie wollen Sie Ihren Auftritt noch weiter- entwickeln? Ist FHM für Kooperationspartner, Anzeigen- partner immer noch attraktiv?

C. Kallenberg: Der Bereich Applikationen ist auf Facebook ein weites Feld, auf dem wir gern wachsen möchten. Dabei freuen wir uns über qualifizierte Partner, die hier gemeinsam mit uns arbeiten möchten.

Wörterladen: Ich danke Ihnen herzlich für das informative Gespräch und wünsche FHM den ihm zustehenden Erfolg mit Facebook.

Süchtig nach gutem Design

Sonntag, 13. Dezember 2009

Auf der Suche nach möglichen redaktionellen Platzierungen für meinen Kunden artgerecht wohnen bin ich auf Stilsucht gestoßen. Kai Petermann, der Kopf hinter dem süchtig machenden Blog sieht sich selbst als Design-Victim mit dem Hang zu klassischen Autos. Lange Jahre hat er sein Geld als Art Director in der Werbung verdient. Zudem war er stellvertretender Chefredakteur des Online Automagazins Chromjuwelen. Schon früh kam er mit Designthemen in Berührung, die ihn irgendwann nicht mehr losließen. Zurzeit baut Kai Petermann als Creative Director green your life mit auf. Was alle seine Projekte verbindet: Er ist immer mit ganzem Herzen dabei.

Interview mit Kai Petermann, Chefredakteur von stilsucht.de und bekennender Stilsüchtiger

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Wörterladen: Seit wann gibt es Stilsucht?
K. Petermann: Stilsucht ist noch ein recht junges Projekt, ich habe den ersten Blogartikel am 25. März 2009 um 11:13 Uhr veröffentlicht. Mittlerweile sind weit über 500 Artikel bei Stilsucht online und jeden Tag kommt mindestens ein weiterer dazu.

Wörterladen: Als was definieren Sie selbst Stilsucht? Lifestyle-Blog, Magazin?
K. Petermann: Hm, darüber habe ich mir bisher nur bedingt Gedanken gemacht. Im Normalfall bezeichne ich Stilsucht selbst als Designblog, der eine oder andere Gedankengang führte mich aber auch schon in Richtung Online-Magazin für Design und Lifestyle, wobei diese Bezeichnung irgendwie auch noch nicht überzeugend klingt. In erster Linie ist Stilsucht mein kleines Onlinespielzeug.

Wörterladen: Wie sind Sie auf die Idee von Stilsucht gekommen?
K. Petermann: Ich habe bereits viel Arbeit und Energie in verschiedene Webprojekte gesteckt. Mein liebstes und arbeitsintensivstes war (bis zum Start von Stilsucht) ein Online-Magazin für Motorkultur mit dem Namen Chromjuwelen. Dort habe ich über drei Jahre lang die Rolle des zweiten Redakteurs übernommen und war schon von Anfang an eher in den Design-Themen unterwegs. Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder über so wahnsinnig tolle Produkte und Projekte gestolpert, die sofort diesen berühmten “haben wollen” Effekt auslösen. In Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt nur wenig (ansatzweise) vergleichbare Seiten wie Stilsucht und ich wollte unbedingt all diese tollen Sachen mit irgendwem teilen. Also habe ich mich einfach irgendwann an die Arbeit gemacht und das Blog aufgesetzt, als ich ein paar freie Tage hatte.
Die Leidenschaft für Produktdesign – denn in diesem Bereich liegt der Schwerpunkt von Stilsucht – wurde schon in den 90er Jahren geweckt und hat sich über die Jahre immer weiter entwickelt.

Wörterladen: Was macht den Erfolg von Stilsucht aus?
K. Petermann: Oh, ist Stilsucht schon so erfolgreich? Nein, mal im Ernst, die Seite hat sich in dieser kurzen Zeit schon toll entwickelt und ist bei vielen Leuten längst zur relevanten Größe geworden. Der Grund dafür ist wahrscheinlich recht einfach zusammen zu fassen und doch nicht gerade mal eben nachzumachen. (Zum Glück, haha.)
Zuerst ist da mal der Name, kurz, prägnant und selbsterklärend. Die kleine Wortspielerei geht vermutlich längst unter. Die gesamte Optik ist sehr aufgeräumt, aber nicht zu langweilig. Die Bilder bringen entsprechende Abwechslung auf die Seite. Die Texte sind meistens sehr kompakt gehalten und entsprechen dem Leseverhalten im Internet. Ich schreibe absichtlich auch nur auf Deutsch – ein weiteres englisches Designblog braucht die Welt ganz sicher nicht. Die großen Bilder unterstützen außerdem die Entscheidung, ob jemand einen Artikel lesen möchte oder nicht.
Natürlich habe ich ein grob angepeiltes Ziel für Stilsucht. Weil das Ganze aber lediglich als Freizeit-Aktivität angelegt ist, habe ich keinen echten Zeitdruck, meine Ziele sofort zu erreichen. Von meinem Wunsch-Traffic bin ich noch ein ganzes Stück entfernt, aber ich bin ja auch erst ein dreiviertel Jahr online – dafür sind die Besucherzahlen wirklich bemerkenswert. Sie haben also durchaus Recht, Stilsucht ist doch schon ziemlich erfolgreich!

Wörterladen: Wie kommen Sie auf die Themen für Stilsucht?
K. Petermann: Die Themenwahl beruht eigentlich auf meinem eigenen Interesse. Ich schreibe grundsätzlich nur über Dinge, die ich selbst gut finde. So kann ich immer beruhigt auf den “Publish” Button klicken, wenn ein Artikel fertig ist.

Wörterladen: Aufdecken von stilprägenden Produkten und Lifestyle-Trends verlangen Gespür und Wissen. Woher haben Sie dieses Gespür?
K. Petermann: Ein guter Freund “beschimpft” mich in regelmäßigen Abständen als Trüffelschwein. Die vielen Jahre Recherche-Erfahrung in diesem Themenbereich haben natürlich auch ihre Spuren hinterlassen und so kann ich sehr schnell sortieren, ob ich ein Thema verfolgen möchte oder nicht. Ich denke, die Mischung aus einem guten Stück Intuition und dem Wissen, wo und wie man gute Themen findet, ist das Geheimnis.

Wörterladen: Wie machen Sie Stilsucht bekannt? Oder wie haben Sie es anfangs bekannt gemacht, um Leser zu gewinnen?
K. Petermann: Zum einen habe ich natürlich von den Menschen profitiert, die meine Artikel schon bei Chromjuwelen verfolgt haben, und von meinem beruflichen Umfeld. Meine Netzwerk aus der Zeit in der Werbebranche  hat mir anfänglich schon eine gute Besucherzahl für meinen Blog beschert. Mund-zu-Mund-Propaganda im digitalen Sinne also. Ganz am Anfang hat Google immer Partneranzeigen ausgespuckt, wenn man nach Stilsucht gesucht hat. Das waren dann immer so Phrasen wie “… geschäftstüchtiger Mann mit Stil sucht …” und ich habe befürchtet, das würde immer so bleiben.

Wörterladen: Aber das ist es zum Glück nicht! Herzlichen Dank, Herr Petermann, für das stilsichere Gespräch.