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Archiv für die Kategorie „Social Media“

Twittern Sie noch? Erfolgreich mit 140 Zeichen

Mittwoch, 2. März 2011

Vor circa zwei Jahren begann die Erfolgswelle von Twitter in Deutschland. Vor allem Selbständige, Kreative und Kleinstunternehmer nutzten die neue Plattform, um sich und ihre Dienstleistungen bekannt zu machen. Letztes Jahr nahmen die Medien das Thema auf und stellten die sozialen Netzwerke – allen voran Twitter – als zukünftigen Teil der Unternehmenskommunikation zur Diskussion. Derzeit wird es eher ruhiger um Twitter – Facebook ist jetzt für die Social Media „Jünger“ und die Medien das goldene Kalb.

Auf meiner Spurensuche bei Twitter bin ich auf den Unternehmensberater Dr. Jürgen Gräbel gestoßen, dessen Tweets mich bereits seit meinen Anfängen bei Twitter (Juni 2009) begleiten. Für ihn ist Twitter weiterhin ein Umsatzmotor. Wie und warum, das erklärt er im Interview.

Was war Ihr Beweggrund, sich auf Twitter zu engagieren? Wie kam es dazu?

Nachdem ich über 30 Jahre als Unternehmensberater und Coach für Selbst- und Unternehmensmanagement, entschloss ich mich, Teile meines Seminarprogramms als Coachingbriefe zu konzipieren und über das Internet zu vertreiben. Da ich zwar in meiner Branche, dem Bank- und Immobilien-Makler-Wesen, relativ bekannt bin, war das im Bereich des Zeit-, Lebens- und Erfolgsmanagements nicht der Fall.

Ich habe in meinen Seminaren und bei meinen Klienten sehr häufig festgestellt, dass die Teilnehmer zwar beruflich erfolgreich waren, jedoch Familie und Gesundheit bei den meisten viel zu kurz kommt. Die zeitlichen Prioritäten wurden einfach falsch gesetzt. Das Schlimme ist auch, dass diese Entwicklung oftmals als „normal“ angesehen wird, was meines Erachtens falsch ist. Viele haben sich damit abgefunden, dass Sie sich ihre Scheidung oder ihren Herzinfarkt, als unabwendbar, „verdienen“.

Über Twitter und Facebook kann ich mich nun auch im Segment Zeit-, Lebens- und Erfolgsmanagements bekannt machen. Ich veröffentliche dort täglich Denkanstöße für eine erfolgreiche Lebensgestaltung in Balance. Damit erreiche ich neben  ehemaligen oder potentielle  Teilnehmer meiner Seminare, auch deren Bekannte und Freunde. Wenn die Leser auch nur kurz angeregt werden, über meine Denkanstöße nachzudenken, haben sie bereits den ersten Schritt zur erfolgreichen Work-Life-Balance geschafft.

Welche Strategien verfolgen Sie auf Twitter? Wie können Sie bei über 12.000 Followern bzw. 12.000 „Freunden“ noch den Überblick behalten?

Mein Follower-Kreis setzt sich zu einem sehr großen Teil aus ehemaligen Seminarteilnehmern, Kollegen und Personen zusammen, die sich durch meine täglichen Denkanstöße anregen lassen wollen.

Einen Überblick, wie Sie es nennen, kann man bei dieser Anzahl nicht bewahren, da Unterteilungen nicht möglich sind. So weiß ich nicht, wie groß der Anteil der Follower ist, der nur folgt, um zu folgen.

Ich habe mir für mein erfolgreiches Arbeiten mehrere Listen angelegt, in der Follower aufgeführt sind, deren Posts ich regelmäßig lese und beantworte. Außerdem reagiere ich auf alle Retweets, die Fragen oder interessante Informationen enthalten.

Welche Erfolge konnten Sie bereits mit Twitter verbuchen?

Dr. Gräbel: Durch Twitter konnte ich sehr viele Kunden für meine Coachingbriefe und Leser für meine kostenlosen „Erfolgszitate-Newsletter“ sowie meinen Blog gewinnen. Außerdem generiere ich Provisionen durch gelegentliche Affiliate-Werbung.

Welche Tools für Twitter nutzen Sie, um mit dem Medium effektiv arbeiten zu können?

Ich nutze für das Absetzen meiner Denkanstöße Hootsuite und für die Bereinigung meines Twitter-Kontos Tweepi.
Da ich lediglich an deutschsprachigen Followern interessiert bin, lade ich diese manuell ein. Über die am Markt befindlichen Follower-Generatoren erhält man jede Menge fremdsprachige Follower, die ich dann wieder manuell aussortieren müsste, da ich an deren Tweets nicht interessiert bin. Ich denke der Arbeitsaufwand ist in etwa gleich groß, als wenn ich mich bei den Einladungen nur auf deutschsprachige Twitterer konzentriere.

Wieso sollte man Ihrer Meinung nach Twitter nutzen?

Ich halte Twitter sowie die übrigen sozialen Netzwerke, für ideale Medien, sich kostenlos einen gewissen Bekanntheitsgrad und durch qualitative Tweets, auch eine Vertrauensbasis und einen Expertenstatus für meine Fachgebiete, ganzheitliche Lebensgestaltung und Networkmarketing, im Internet aufzubauen.

Was würden Sie Unternehmern raten beim Einstieg in Twitter?

Wer seine Bekanntheit steigern möchte – unabhängig von den Medien, sollte die Sozialen Netzwerke nutzen. Twitter ist dabei ein ideales Netzwerk. Wichtig ist, dass man mit guten Informationen aufwartet, die überwiegend zum eigenen Tätigkeitsfeld passen und die für interessierte Leser nützlich sein können. Das zeigt auf, dass man ein Experte für ein bestimmtes Thema ist und wertvolles für Interessierte beitragen kann. Das wird dann auch, nach einer gewissen Zeit, durch Empfehlungen honoriert.

Allerdings sollten auch gelegentlich private Statements und Retweets gepostet werden.

Nutzen Sie noch andere Social Media Dienste? Wenn ja welche? Welchen nutzen Sie am intensivsten und warum?

Ich nutze vor allem Facebook, AddPublic und einige kleinere Netzwerke. Alle Plattformen nutze ich, um meinen Bekanntheitsgrad zu steigern und um Kunden und Vertriebspartner zu generieren. Twitter und Facebook sind dabei für mich die Wichtigsten.
Hierüber erreiche ich die größte Anzahl potentieller, zukünftiger Kunden und Vertriebspartner. Hinzu kommt, dass ich über diese beiden Networks gelegentlich auch Werbung posten kann.

Zur Person:
Dr. Jürgen Gräbel ist Unterneh- mensberater für mobile Finanz- dienstleistungs- und Immobilien- vertriebe, schwerpunktmäßig für Sparkassen, öffentlich-rechtlichen Versicherungen und Landes-Bausparkassen. Zusätzlich bietet er seit 1976 Seminare für ganzheitliches Zeit- und Lebensmanagement an. Dazwischen war er noch einmal 15 Jahre bei einer Großbank im Trainingsbereich angestellt, bevor er sich 2005 endgültig selbständig gemacht hat. Das Selbstmanagement hat er am eigenen Leibe ausprobiert: Er plant und gestaltet sein Leben und seine Ziele methodisch – das Ergebnis gibt ihm recht. Dr. Gräbel ist aber nicht nur Seminarleiter, sondern auch Autor und Herausgeber der „erfolg-reiches-Leben Coachingbriefe“ und der „Erfolgszitate Newsletter“ und macht sich zusätzlich im Internetmarketing stark.

Nutzen Sie selbst Twitter und haben damit Erfolg? Oder kennen Sie erfolgreiche Twitter-User, die durch Social Networking ihren Umsatz steigern konnten? Dann melden Sie sich – gerne berichte ich auch über Sie.

Wie steigere ich die Besucherzahl meiner Webseite?

Dienstag, 15. Februar 2011

Eine Frage, die sich die meisten Webseiten-Betreiber stellen. Was sind ausschlaggebende Faktoren, um Besucher auf meine Seite zu locken? Was muss ich ihnen bieten, um ihr Interesse zu halten, damit sie meine Homepage erneut besuchen? Welche Rolle spielt dabei Google und das Google-Ranking?

Gerade am Anfang des Jahres stecken wir uns neue Ziele, legen unsere Strategie für 2011 fest. Dabei geht es immer um Umsatzsteigerungen, Kundenbindung, Kundengewinnung, Erhöhung der Kundenzahl etc. Gerade Onlineshop-Besitzer leben von hohen Besuchszahlen auf ihrer Webseite, die sich am Ende des Besuchs in Verkaufszahlen verwandeln. Bestenfalls kommen die Kunden wieder und bringen zusätzlich „Freunde“ mit.Auf LinkedIn habe ich einen Beitrag von M. Sufi, SEO Berater und Online Marketier gelesen, der 4 Wege beschreibt, wie man mit wenig Aufwand und keinen Kosten seine Besucherzahl auf der eigenen Webseite erhöhen kann. Seine Vorschläge bringen langfristig den gewünschten Erfolg.

Was ich davon empfehlen kann und selbst für glaubwürdig halte, sind drei der vier Ratschläge:

1. Einfachste Methode: Nutzen Sie Soziale Netzwerke, um sich und Ihre Webseite bekannt zu machen:

Tragen Sie sich in mehrere Social Media-Seiten ein, um Ihre Homepage bekannter zu machen. Das ist der beste und schnellste Weg, Ihre Webseite zu indizieren und die Besucherzahl zu erhöhen. Einige Webseiten erlauben Ihnen, Kommentare mit Ihrem Link zu hinterlassen. Vernetzen Sie sich mit „Freunden“, Kontakten, die sich für Ihr Business interessieren könnten. Suchen Sie sich „populäre“ „Follower“, durch deren Netzwerk sie zusätzlich profitieren. Wenn diese Meinungen über Ihre Beiträge abgeben und auf Sie verlinken, dann kann das Ihre Besucherfrequenz um das 10fache erhöhen.

2. Kraftvollste Methode: Gastbeiträge in Blogs

Was Ihre Beziehungen am unmittelbarsten zum Ihrem Zielpublikum festigt, sind Gast- beiträge auf Blogs. Schreiben Sie für Webseiten, die erfolgreicher und frequentierter sind als ihre. Sie erzeugen dadurch nicht nur one-way Backlinks auf Ihre Webseite (was von Google positiv bedacht wird). Zusätzlich können Sie wiederum Ihr Netzwerk über die Blogbeiträge informieren. Mit Ihren Gastbeiträgen können Sie sich als Experte positionieren, was wiederum sich positiv auf Ihre Marke (Webseite) auswirkt.

3. Besucherbindung durch Email-Marketing

Obwohl Traffic-Aufbau wichtig ist, müssen Sie sicherstellen, dass Ihre Besucher auch wiederkommen. Besucherbindung ist wichtig! Nutzen Sie hierfür beispielsweise kleine Werbegeschenke und Preisausschreiben/ Gewinnspiele. Bedingung, um bei einer Aktion teilnehmen zu können ist, dass sich Ihre Besucher bei Ihrem Newsletter anmelden. So können Sie gleichzeitig die Leserschaft Ihres Newsletters erhöhen und diese mit entsprechenden Newsletter-Angeboten weiter an sich binden.

Bei diesen Aktionen sollten Ihre Besucher ihre Mailadresse hinterlassen, um teilnehmen zu können. Nutzen Sie zusätzlich Empfehlungsmarketing, in dem Sie noch Gutscheine ausloben für Kunden, die ihnen Neukunden bringen. Es gibt zudem viele Portale, auf denen Sie Ihre Gewinnspiele eintragen können, durch diese erhalten Sie zusätzliche Kunden.

Dies sind nur ein paar Möglichkeiten, Ihre Besucherfrequenz auf Ihrer Webseite zu erhöhen. Wie aber schaffen wir es, unseren Online-Auftritt so zu positionieren, dass wir gefunden werden, dass Google uns als relevant einstuft? Die wichtigsten 10 SEO-Punkte, die Ihnen eine Verbesserung bei Google einbringen können, erfahren Sie im nächsten Blogbeitrag.

Trendthema 2011: Social Media Marketing

Donnerstag, 13. Januar 2011

Was sind Ihre Vorsätze für 2011? Sich mehr um Ihr Image zu kümmern? Sich kundennah zu präsentieren? Über Social Media nicht nur zu sprechen, sondern auch damit Kunden und Umsatz zu generieren? Dann wird es Ihr Jahr, denn Social Media bleibt ein wichtiger Trend und damit ein essenzieller Baustein für Ihre Öffentlichkeitsarbeit. Aber: Erfolg am Markt durch Social Media braucht klare Zielsetzungen.

Social Media wird die Unternehmen dieses Jahr noch intensiver beschäftigen. Die Möglichkeiten, sich in Sozialen Netzwerken mit den eigenen Dienstleistungen und Produkten zu präsentieren, wird Teil der Unternehmensstrategie. Twitter, Facebook oder Xing können nicht mehr getrennt vom Marketingengagement betrachtet werden. Dank Facebook & Co kann nun jeder einzelne Mitarbeiter sich für das Image und die Kundenorientierung seines Arbeitgebers einsetzen. Social Media Policys haben daher Hochkonjunktur in den Unternehmen. Wie präsentiert man sich aber nun richtig in Sozialen Netzwerken? Tipps gibt‘s vom Social Media Profi.

Ein Mann, der sich dem Social Media Marketing komplett verschrieben hat, ist Thomas Hendele. Mit seiner Agentur some communications ist er ins neue Jahr gestartet. Im Gepäck, mehrere Jahre Social Media Erfahrung bei der consale GmbH. Dort beriet er Kunden aus der Hotelbranche zu den Feinheiten und Möglichkeiten der direkten Kundenansprache im Internet. Um deren Bedarf auch zukünftig gerecht zu werden, bündelt Thomas Hendele sein Wissen in seiner Agentur some communication.

Hendele berät auch weiterhin vorwiegend kleine und mittel- ständische Unternehmen aus Hotellerie und Tourismus zu allen Fragen rund um Social Media. Er bringt ihnen und ihren Mitarbeitern das Thema durch Workshops sowie Webinare näher. Bei der Projektunterstützung sieht er sich weniger als externen Berater als vielmehr als „Teammitglied auf Zeit“. Dabei geht er auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Mitarbeiter innerhalb eines Hotel- und Gastronomiebetriebs ein, so dass auch diese Social Media nicht als Zeitfresser empfinden, sondern als Unterstützung bei Kundengewinnung und der Kundenbindung. Er weiß, Social Media ist vor allem für das Empfehlungsmarketing ein unerlässliches Werkzeug. Und in welcher Branche funktioniert Empfehlungsmarketing besser als in Hotellerie und Gastronomie.

Hotels machen es vor – mit Social Media Kunden gewinnen

Social Media Marketing ermöglicht Hotels und Gastronomen sich schnell und unkompliziert Gästen im Netz zu präsentieren und das virtuelle Empfeh- lungsmarketing zu nutzen. Das Hotel Domspitzen in Köln hatte und hat damit Erfolg: Domspitzen nutzte Twitter und Facebook, um sich bekannt zu machen. Das Hotel firmierte nicht nur unter neuem Namen, sondern baute auch noch um. Über Twitter und seine Facebook Fanpage konnte Domspitzen unkompliziert Aktuelles von der Baustelle berichten und in Bildern den Umbau dokumentieren. Thomas Hendele übernahm von Anfang an die Social Media Strategie für Domspitzen und das zahlte sich für das Hotel aus: Es war bereits bei der Neueröffnung ausgebucht und auch jetzt gibt es für den Hotelbetrieb kein Sommerloch bei der Zimmerbelegung. News, Arrangements, Veranstaltungstipps der Stadt können über Social Media zeitnah einer großen Interessensgruppe und deren Freunden publik gemacht werden. Auch das Holiday Inn Express in Gütersloh ging diesen Kommunikationsweg: Es twitterte direkt von der Baustelle, lud zu Gewinnspielen ein und gestaltete auf Flickr ein Fotoalbum. Das Hotelmanagement nutzte auf Anraten von Hendele Social Media bereits vor der Hoteleröffnung zur Kundenbindung, was sich für den Eröffnungstag und die Hotelbelegung als positiv erwies.

Wie lautet Ihre Social Media Strategie für 2011?

FHM setzt erfolgreich auf Facebook

Montag, 6. September 2010

Wer sich heute im Internet als Unternehmen präsentieren will, der braucht mehr als nur eine virtuelle Visitenkarte. Social Media heißt das Zauberwort. Bereits dort zu sein, wo sich die eigene Kundschaft aufhält und sich dabei auf den Dialog mit ihnen einzulassen. Eine Fanpage auf Facebook, einen Account bei Twitter, einen an den Firmenauftritt angeschlossenen Blog – es gibt viele Möglichkeiten, sich an die Kunden zu wenden. Wegweisend zeigt sich hierbei FHM. Das Männermagazin stellte Ende Juli seine Online-Ausgabe des Männermagazins ein und ist nur noch über die eigene Facebook-Fanpage zu erreichen. Über die Gründe und den erhofften Erfolg sprach Wörterladen mit Christian Kallenberg, Chefredakteur von FHM.

facebook-FHM-kallenbergWörterladen: Bei Bekannt- gabe Ihrer Online-Strategie wurde die Tage darauf im Internet viel über den Facebook-Auftritt von FHM diskutiert. Ihr bisheriges Online-Magazin wurde zeitgleich abgeschaltet und man kam nur noch auf Ihre Facebook-Seite. Wie war die Reaktion Ihrer Leser darauf? Haben Sie durch die News eine größere Facebook-Fangemeinde erhalten?

C. Kallenberg: Die Zahl der Fans von FHM Germany auf Facebook ist innerhalb weniger Tage um viele Tausend auf mittlerweile über 32.000 angestiegen, eine Entwicklung, mit der wir sehr zufrieden sind und ein toller Erfolg!

Wörterladen: Ist Ihr Facebook-Auftritt eine mittel- bis langfristige Strategie oder nur eine Übergangslösung?

C. Kallenberg: Grundsätzlich ver- suchen wir mit der Marke FHM unsere Konsumenten dort abzuholen, wo sie sich eh schon aufhalten. Das ist zurzeit nun mal in der Freizeit überwiegend auch bei Facebook.

Unsere Leser wünschen sich, mitreden zu können: über Fußball, über Frauen, über aktuelle Themen. Talkback, Kritik, weitere Hintergründe zu Heftthemen. Und das im beliebtesten Umfeld des Netzes findet man nur bei Facebook, wo wir das mit Abstand beliebteste Männer-Lifestylemagazin sind.

Ein guter Grund, dass wir uns verstärkt auf Social Media konzentrieren und unsere Leser dort abholen, wo sie sich im Netz aufhalten. Zudem sehen wir hier ein größeres Potential bei PR- und Marketingaktivitäten für FHM.

Zu guter Letzt hat uns auch die wirtschaftliche Entwicklung von fhm-online.de bei dieser Entscheidung geholfen.

Wörterladen: Facebook ist nicht darauf ausgelegt, lange Texte angereichert mit Fotostrecken zu präsentieren. Sondern kurze Kommentare mit Verlinkungen zu anderen Internetseiten. Optisch kann man an der eigenen Facebook-Seite nicht viel verändern und die Reiter wirken alles andere als attraktiv. Wird da ein Medium wie FHM nicht ad absurdum geführt?

C. Kallenberg: Natürlich kann Facebook nicht alle Markeninhalte von FHM abbilden. Das wollen wir allerdings auch nicht. Wir nutzen Facebook genau dazu, wozu es erfunden wurde: Um den Kontakt mit unseren Freunden und Fans zu halten und um uns mit ihnen auszutauschen. Facebook kann kein Magazin-Substitut sein. Die tollen Texte und Fotos gibt es wie gewohnt am Kiosk.

Wörterladen: Warum haben Sie nicht die Lösung gewählt, Ihr Online-Magazin enger mit Facebook und Twitter zu verknüpfen – wie es beispielsweise Die Welt macht (zu vielen Artikeln kann man sich direkt mit den Twitter-Redakteuren in Verbindung setzen)? Ein Magazin lebt doch von Bildern und Reportagen, die in Szene gesetzt sind.

C. Kallenberg: Das haben wir getan. Fakt bleibt aber, dass die meiste Interaktion auf Facebook direkt stattfindet.

Wörterladen: Wie gestaltet sich nun der Arbeitstag Ihrer Redaktion? Müssen Ihre Redakteure nun Social Media Experten sein?

C. Kallenberg: In der Redaktion kommt es manchmal zu Wettbewerben, wer die meisten Kommentare auf seine Posts bekommt. Die Kollegen nehmen die Möglichkeit, direkt mit unseren Kunden zu kommunizieren begeistert an. Zu 100% nutzen sie Facebook auch privat. Ob wir dadurch schon als Experten gelten, überlasse ich anderen zu beurteilen, zumal ich die Definition eines Social Media Experten nicht kenne.

Wörterladen: Was ist Ihnen das Wichtigste bei Ihrem Facebook-Auftritt? Der direkte Kontakt zum Leser? Hat Ihnen das beim Online-Magazin gefehlt?

C. Kallenberg: Ja genau, die schnelle und direkte Interaktion mit den Lesern ist so nun optimal.

Wörterladen: Wie wollen Sie Ihren Auftritt noch weiter- entwickeln? Ist FHM für Kooperationspartner, Anzeigen- partner immer noch attraktiv?

C. Kallenberg: Der Bereich Applikationen ist auf Facebook ein weites Feld, auf dem wir gern wachsen möchten. Dabei freuen wir uns über qualifizierte Partner, die hier gemeinsam mit uns arbeiten möchten.

Wörterladen: Ich danke Ihnen herzlich für das informative Gespräch und wünsche FHM den ihm zustehenden Erfolg mit Facebook.

Schärfen Sie Ihr Profil!

Mittwoch, 25. August 2010

Online-Präsenz zeigen und verstehen, sich und seine Marke im Internet zu präsentieren, ist nicht jedermanns Sache. Wer jedoch heute erfolgreich sein will, braucht nicht nur den richtigen Riecher für ein gutes Geschäft, sondern auch den passenden Online-Auftritt. Soziale Netzwerke spielen bei der eigenen Vermarktung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Seien Sie dort, wo sich Ihre Kunden aufhalten: Xing, LinkedIn, Twitter und Facebook.

profil-schaerfen-reputationHeute muss man als Unternehmen oder Einzelperson mehr leisten, als im Internet nur seine Visitenkarte zu hinterlegen. Konsumenten, Kunden und Partner wünschen sich eine optisch ansprechende und funktionelle Webseite, auf der sie schnell und mit wenigen Klicks ihre gewünschten Informationen erhalten.

Besonders Onlineshops, die von Kundenbestellungen leben, müssen dem Kunden ihre Warenwelt attraktiv präsentieren und den Bestellvorgang so einfach und serviceorientiert wie möglich gestalten.

Aber auch Einzelpersonen, die sich im Netz darstellen wollen, um mit ihren Dienstleistungen gefunden zu werden bzw. Geschäftskontakte zu knüpfen, brauchen mehr als nur einen eindimensionalen Onlineauftritt. Die Präsenz in Sozialen Netzwerken gehört dazu – mit den richtigen Suchbegriffen und Suchagenten werden Sie dadurch nicht nur von Kunden und Geschäftspartnern gefunden, sondern erhöhen aktiv Ihre Kundenzahl und bauen Ihr Netzwerk aus.

Sie wollen Ihren Onlineshop auf Herz und Niere prüfen lassen? Ich habe für Sie die Lösung.

Sie wollen besser im Internet gefunden werden und sich selbst erfolgreich in Sozialen Netzwerken präsentieren. Sie wollen aus sich eine Marke machen? Ich habe für Sie die Lösung.

Foto © Rainer Sturm/ pixelio

Im Fokus: Social Media als Wettbewerbsvorteil

Donnerstag, 17. Juni 2010

Von wegen, Universitätsprofessoren sind verstaubte Urgesteine, die beim Internet immer noch an ein reines Informations- und Recherchemedium denken. Prof. Dr. h.c. Hans Ebert, D.Sc. lehrt u.a. Marketing, Strategie und Management an der FH Kufstein Tirol und nutzt schon seit längerem die Möglichkeiten von Social Media für sich und seinen Lehrstuhl. Er bindet die Methoden von Social Media in seine Vorlesungen mit ein, um auch seine Studenten praktisch an das Thema heranzuführen.

hans-ebert-social-mediaFür Prof. Dr. h.c. Hans Ebert ist Social Media der ideale Weg, um Forschungsergebnisse und Lehrmethoden mit seinen Studenten und Forschungspartnern auszutauschen bzw. zu vermitteln. Facebook, Xing, LinkedIN und Twitter sind dabei seine Helfeshelfer. Für ihn ist der Einsatz von Social Media kein Zeitfresser, sondern ein effektiver und effizienter Weg für die Kommunikation von heute und morgen.

Wörterladen: Aktuell liegt Ihr Forschungsschwerpunkt auf Social Media und das Netzwerken als strategische Methode zur Effektivitäts- und Effizienzsteigerung des Marketings in KMUs und dem Verlagswesen. Wie sind Sie ursprünglich mit Social Media in Kontakt gekommen und wann?

H. Ebert: Bereits 1996/1997 war ich bei der Viag Interkom GmbH & Co. KG (heute O2) als Manager Online Services mit dem Aufbau eines Serviceportfolios für Mobilfunkanbieter im Bereich der mobilen Datendienste und Internetintegration und dem damaligen Projekt “Bayern Online” betraut und verantwortlich. Mit dem Wechsel zur CLASS AG 1997 als Director Marketing, Strategy & Business Development war ich an der Konzeption und strategischen Ausrichtung eines IT-Dienstleisters zu Beginn des Internet-Business Zeitalters federführend beteiligt.

Social Media ist heute ein Modewort, das bereits in den frühen Anfängen der kommerziellen Nutzung des Internet bereits durch Foren, Diskussionsgruppen und die ersten Instant Messenger Systeme (AOL) seinen Ursprung hatte. Aus heutiger Sicht nutze ich also Social Media Applikationen schon sehr lange. Ich sehe in den modernen Ausprägungen, wie Facebook, XING, LinkedIN, Google Buzz oder Twitter nur Weiterentwicklungen von sehr frühen Innovationen im Internet. Geändert zu früheren Entwicklungen hat sich allerdings die grundlegende Vernetzungstechnologie bzw. Plattform, wie heutige Social Networks agieren und wachsen (Empfehlungen, Aufbau eines Freundeskreises und Kommentarfunktionen).

Wörterladen: Was bedeutet Social Media für Sie persönlich? Warum nutzen Sie Social Media?

H. Ebert: Social Media und Social Networks sind für mich persönlich Werkzeuge der modernen Kommunikation. Gerade durch meine Lehr- und Forschungstätigkeit schätze ich die interaktive und dynamische Art der Kommunikation dieser Plattformen. Basis für mich persönlich ist ein leistungsfähiges Webportal, dass es Besuchern und Nutzern meiner Services erlaubt, auch über Social Media Plattformen mit mir zu kommunizieren. Der Interaktionsgrad und die Geschwindigkeit – z.B. bei Betreuung von Studenten und Forschungspartnern – hat für mich positiv zugenommen. Die ehemalige Killer-Applikation des World Wide Web eMail verliert bei mir immer mehr an Bedeutung.

Wörterladen: Was bedeutet Social Media für Ihre Arbeit?

H. Ebert: Einfach ausgedrückt: Steigerung meiner Produktivität durch die Anwendung eines auf mich zugeschnittenen Kommunikations-Mixes. Dies wird heute leider weder von Seminaranbietern, noch von sogenannten Social Media Spezialisten angeboten. Man versucht in solchen Seminaren immer noch die Technologie-Plattformen in den Vordergrund zu stellen und nicht die Arbeitsweise zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Wörterladen: Welche Social Media Plattformen nutzen Sie vorrangig und warum?

H. Ebert: Meine bevorzugten Plattformen sind: Facebook, Twitter, Google Buzz (und Google Wave, obwohl ich diese nicht als Social Media Plattform sehen würde), XING und LinkedIn. Warum nutze ich diese? Facebook ist mein globales Netzwerk zur Vernetzung und Pflege von Freundschaften und Interessensfeldern. Twitter nutze ich als Marketing-Instrument und schnelles Informationsmedium für ad hoc Nachrichten an Studenten, Kollegen, Partner und Geschäftskontakte. XING ist meine Business-Kontakt-Plattform. LinkedIn nutze ich wie XING nur global, da ich ja auch mit der angloamerikanischen Welt private und geschäftliche Kontakte pflege. Google Buzz ist meine Plattform zur Pflege von technologisch-orientierten Kontakten – wieder mit globalem  Anspruch; Google Wave ist meinKollaborationstool für Projekte und mein Beratungsgeschäft KonLABS-21c.eu. Meine Nachrichten werden über TweetDeck in Google Buzz, Facebook, Trumblr, Twitter und auf meine Facebook Fanpage gepostet.

Wörterladen: Gibt es eine Social Media Erfolgsgeschichte, die Sie in wenigen Sätzen skizzieren könnten?

H. Ebert: Meine persönliche Erfolgsgeschichte ist, dass ich durch den Einsatz von Social Media und Social Networks den Kontakt zu meinen Studenten und Forschungspartnern enorm verbessert habe, was von beiden Seiten aus überaus positiv gesehen wird. Noch dieses Jahr werde ich diese Entwicklung nutzen, um die Lehre an Hochschulen und Universitäten auf ein neues Niveau zu heben: Einsatz von Social Media im Rahmen der Vorlesung, digitale Medien für Studenten und globale Interaktionsmöglichkeiten für Studenten hin zu meinen Forschungsprojekten.

Wörterladen: Wie wichtig ist Social Media für die Unternehmen? Was würden Sie ihnen raten?

H. Ebert: Die strategischen Erfolgspotentiale sind noch gar nicht erkannt und in das Bewusstsein der Unternehmer eingedrungen. Wie eine aktuelle Forschungsarbeit von mir zeigt, gibt es aber bereits strategische Konzeptionen, dies erfolgreich als Unternehmer anzuwenden. Mein Rat: Beschäftigen Sie sich als Unternehmer mit Social Media sonst beschäftigt Sie Social Media spätestens dann, wenn die Konkurrenz an Ihnen vorbeizieht.

Wörterladen: Wie sehen Sie die Zukunft von Social Media? Wo stehen wir derzeit? Wohin steuern wir?

H. Ebert: Die Zukunft des Social Media wird auf die Arbeitswelt übergreifen. Coworking wird aus meiner Sicht elementarer Bestandteil der zukünftigen Arbeitswelt werden und damit enorme Potentiale eröffnen. Ebenso wird aus meiner Sicht eine Konsolidierung auf große Social Networks von Google, Facebook, Microsoft und Apple stattfinden. Hierbei werden die digitalen Endgeräte immer mehr Unterstützung bei der täglichen Arbeit leisten können (iPad, Smartphones und Web-TabletPCs). Im Zentrum wird der Kunde bzw. der Interessent stehen, und wie Qualman sagt, müssen Unternehmen lernen, erst zuzuhören und dann zu verkaufen und nicht wie heute, Produkte verkaufen und dann vielleicht zuhören. Weiter wird die Bedeutung von Creative Commens als neue Copyrightplattform, Micropayment as you use/like und Open Source Plattformen enorm an Bedeutung gewinnen.

Wörterladen: Das bedeutet für Unternehmen als auch Social media Experten, immer am Ball zu bleiben, um sich weiterzubilden. Gibt es einen guten Social Media Blog, den Sie meinen Lesern hierfür empfehlen könnten?

H. Ebert: Blogs, die ich lese, sind vielfältig und werden über den Google Reader täglich aktualisiert. Hervorzuheben sind aus meiner Sicht folgende Blogs (Miniauszug):

Mashable.com – Social Media Informationsplattform mit einer Unmenge von Blogeinträgen

Netzpolitik.org – sehr kritischer Block zu Entwicklungen im Web und im Social Media Umfeld

Facebookmarketing.de – hervorragender Blog für Facebook Interessierte

FutureOfWebStrategy.com – hervorragender Blog für Strategen

Wörterladen: Herzlichen Dank für die kurze prägnante Einsicht in Ihre Social Media Strategie.

Twittern gehört zum Geschäft

Montag, 12. April 2010

Twittern ist nun auch in Deutschland in aller Munde. Selbst die großen Wirtschaft- und Tageszeitungen berichten kontinuierlich über Twitter. Die im Dezember eingeführte Echtzeit-Suche bringt zusätzliche Nutzer auf die Plattform. Im Februar 2010 waren über 200.000 Deutsche auf Twitter aktiv. Jeden Tag kommen neue – auch die Unternehmen entdecken endlich die Möglichkeiten dieser Social Media Plattform. Als PR-Beraterin ist es mir jedoch nicht nur wichtig zu wissen, wie ich Twitter für die Öffentlichkeitsarbeit einsetzen kann, sondern was mir auch die Benutzung von Twitter erleichtert.

Twitter verändert sich ständig, nicht nur das Nutzerverhalten, sondern auch die Benutzung wird immer attraktiver. Es gibt bereits unzählige Twitter-Tools, doch nicht jedes lohnt sich. (mehr …)

Lokaljournalismus 2.0 – der Heddesheimblog und sein Macher

Freitag, 29. Januar 2010

„Unsere Berichterstattung ist kein Bratwurstjournalismus wie beim Mannheimer Morgen“

Vor Kurzem war ein Interview vom amerikanischen Medienprofessor Jeff Jarvis zur Zukunft des Journalismus und der Tageszeitungen auf FAZnet zu lesen. Blogs, Onlineportale etc. machen den Zeitungen bereits zu schaffen und nehmen ihnen Leser weg. Anstatt sich der eigenen Leserschaft mit den Möglichkeiten von Social Media zu öffnen, wollen die Online-Zeitungen mit kostenpflichtigen Angeboten ihre Leser an sich binden. Dass man Neues wagen kann und damit erfolgreich ist beweist der Heddesheimblog. Die lokale Online-Zeitung in Blogformat erfreut sich bereits einer hohen Leserschaft – und das nicht nur regional. Mit dem Gründer, Hardy Prothmann, sprach Wörterladen über die regionale Macht des heddesheimblogs und seine Arbeit als Journalist. Dabei nimmt der Vollblut-Journalist kein Blatt vor den Mund.

Harry Prothmann, Journalist, heddesheimblog, LokaljournalismusWörterladen: Sie schreiben in Ihrem Beitrag auf berliner-journalisten.com, dass die Zukunft des Regionaljournalismus im Internet liegt. Können Sie das näher erläutern? Sollen Lokalredaktionen sich von den Zeitungen abspalten und ihren eigenen Blog eröffnen?

H. Prothmann: Das ist ein Szenario, dass früher oder später eintreten könnte. Die Verlage sind Druckmaschinenbetreiber. Diese Maschinen, das Produkt, die Verteilung sind sehr teuer. Überall im Land werden Redaktionen aufgelöst oder zusammengefasst. Die Berichterstattung in der Fläche geht zurück. Hier öffnen sich Chancen für lokale Angebote im Internet. Wie das heddesheimblog zeigt, kann man aber auch in Ballungsräumen (Rhein-Neckar-Kreis ist der 7. größte Ballungsraum in Deutschland) Erfolg haben.
Ich habe bereits zwei festangestellten Kollegen das Angebot gemacht, bei mir einzusteigen. Noch sind sie nicht darauf eingegangen, weil sie vermutlich dass Risiko nicht eingehen wollen. Risikobereit muss man als Unternehmer aber sein.

Wörterladen: Ihr heddesheimblog ist nicht nur bei den 11.500 Heddesheimern in aller Munde. Ihre Seitenzugriffe belaufen sich auf mehr als eine halbe Million. Was haben Sie gemacht, um den Blog bekannt zu machen?

H. Prothmann: Einfache Antwort: Ich habe angefangen zu berichten, das hat sich herumgesprochen. Den Rest erledigt Google. Meine Leserinnen und Leser haben bemerkt, dass das nicht irgendein Blog ist, auf dem jemand sich über Gott und die Welt Gedanken macht, sondern eine journalistische Plattform mit frischen News, harten Fakten und investigativem Journalismus, aber auch Humor und Lebensnähe. Beispielsweise schreibt meine Kolumnistin Gabi jeden Montag Geschichten aus der Welt der Frauen – sie recherchiert dafür in ihrem weiblichen Freundeskreis.

Unsere Berichterstattung ist kein Bratwurstjournalismus wie beim Mannheimer Morgen. Da wimmelt es von “gnädigen Wettergöttern”, “geschwungenen Tanzbeinen”, “tollen Erfolgen” usw. Das ist nur langweilig. Wir schreiben korrekt, aber flott. Und: Wir schreiben viele Meinungsartikel. Das interessiert die Menschen: Eine Meinung, eine Haltung.
Dabei ist es wichtig, nicht einfach zu sagen: Gut oder schlecht, sondern die Meinung zu begründen. Die Meinungsbeiträge werden mit harten Fakten unterlegt und das merken die Leserinnen und Leser. Die Kommentare “laufen” regelmäßig am Besten.

Wörterladen: Ihr heddesheimblog polarisiert. Sie greifen nicht nur Veranstaltungshinweise und Porträts in und um Heddesheim auf, sondern packen auch brisante Themen wie den Bau eines Logistikzentrums sowie die Kommunalwahl an und berichten offen und ehrlich darüber. Sie wurden wegen Ihres investigativen Journalismus‘ schon mehrmals verbal, aber auch körperlich angegriffen. Rückhalt bekommen Sie von Ihren treuen Lesern. Gibt es aber auch Journalisten/ Redakteure, die Ihnen Lob entgegenbringen? Wie halten Sie dem äußeren Druck stand?

H. Prothmann: Ich halte dem Druck stand, weil ich seit 20 Jahren Journalist bin und nie Druck nachgegeben habe. Insofern habe ich mir ein dickes Fell zugelegt. Was die Angriffe angeht: Das ist abhängig vom Standpunkt. Ich sage, ich bin mehrfach “angegangen” worden. Das heißt, ich wurde geschubst und am Arm gepackt und man hat mir Konsequenzen (juristisch, körperlich) angedroht. Ich stecke das locker weg, weil ich diese Dummköpfe, die sich nicht anders zu helfen wissen, einfach verachte. Andere Menschen, die nicht so hart im Nehmen sind, könnte diese Art allerdings beeindrucken – Rückzug wäre die natürliche (und für mich auch nachvollziehbare) Folge. Deshalb wird ja auch gedroht.

Als mir irgendein Vollidiot allerdings ein Nagelbrett vor einen Reifen gelegt hat, wurde es mir schon mulmig. Nicht wegen mir, meine Frau fährt das Auto und transportiert damit Kinder. Wir waren alle zunächst negativ beeindruckt, dann hat meine Frau gesagt: “Jetzt erst recht. Ich lasse mich doch von so einem nicht beeindrucken.” Starke Reaktion. Der Staatsanwalt in Mannheim ermittelte übrigens wegen einer “politisch motivierten gemeingefährlichen Straftat”. Da es aber keine Zeugen gibt, wird das eingestellt.

Wörterladen: Noch stemmen Sie den heddesheimblog fast im Alleingang. In einem Interview mit dem onlinejournalismus.de sagten Sie, es koste sie täglich 16 Stunden Arbeit. Wie viele Artikel verfassen Sie am Tag? Wie lange brauchen Sie für einen Artikel mit Recherche, Bildsuche? Ist Ihr Kopf nicht nach 10 Stunden zu voll, um noch die richtigen Worte aufs Papier zu bringen  oder macht das Ihre jahrelange journalistische Erfahrung wett?

H. Prothmann: Wie soll ich darauf antworten, ohne arrogant zu klingen? Am besten so, wie ich denke: Ich glaube nicht, dass es viele Journalisten gibt, die das können, was ich mache. Die Arbeitsbelastung ist enorm hoch, ich arbeite zu allen Themen, ob Politik, Wirtschaft, Kultur, Vereine oder Sport. Was eben lokal so anliegt. Gleichzeitig habe ich mir nebenbei alle technischen Kenntnisse angeeignet, die ich brauche, um Server, Software usw. zu bedienen. Durchschnittlich erscheinen pro Tag drei bis vier Artikel, sieben oder acht sind auch keine Seltenheit.
Dazu kommen massive Behinderungen durch den Heddesheimer Bürgermeister Michael Kessler und denen, die ihn unterstützen. Mir werden Informationen verweigert, ich werde nicht auf Termine eingeladen, die Konkurrenz wird bevorzugt. Und ich mache etwas, was in dieser Form nur wenige in Deutschland bislang gemacht haben. Andere behaupten sogar, ich wäre der einzige.

Ich habe während des Studiums als Freier Mitarbeiter beim Mannheimer Morgen angefangen, habe dann bei Radio Dortmund bimedial hospitiert, beim SDR-Fernsehen und beim BR-Wirtschaftsfunk. Später war ich als Pauschalist sieben Jahre Fachredakteur bei der Medienzeitschrift CUT.

Mein Glück ist: Ich habe mit sehr vielen hervorragenden Kollegen zusammengearbeitet und dabei enorm viel gelernt. Der Dank gilt diesen Personen, mit denen mich teils eine sehr lange Freundschaft verbindet. Man muss also eine Affinität zur Technik haben, Recherche beherrschen und Schreiben können. Dazu habe ich Hörfunk- und Fernseherfahrung. Das alles kommt mir bei der Arbeit zugute. Wichtig ist: Erfahrung ist gut, Routine schlecht – denn die führt zur Nachlässigkeit. Das ist aber auch in anderen Berufen so.
Meine Frau unterstützt mich organisatorisch. Mit Horst Pölitz habe ich einen ersten Mitarbeiter; ein früherer Polizist, der im Ruhestand ist, sich aber enorm einsetzt und lernbegierig ist.

Wörterladen: Nachdem Sie sich fast vollständig dem heddesheimblog verschrieben haben und hierbei keine Gelegenheit verstreichen lassen, den Mannheimer Morgen anzugreifen: Haben Sie Probleme, weiterhin Aufträge von Zeitungen/ Zeitschriften zu bekommen? Oder haben Sie mit dem Auftragsjournalismus aufgehört?

H. Prothmann: Googeln Sie mal, was andere von meinen Angriffen auf die typische Lokalpresse halten. Die allermeisten Kollegen, selbst solche, die bei Lokalzeitungen arbeiten, bestätigen meine Vorwürfe. Die Branche ist überwiegend am Ende.

Ganz klar ist, es gibt in Deutschland auch ambitionierten Lokaljournalismus. Es gibt viele Kollegen, die eine herausragende Arbeit leisten, Journalisten mit dem Herz am rechten Fleck, die ihren Job lieben und ihre Leser ernst nehmen. Aber es sind leider nur wenige und es werden immer weniger. Die Monopolstrukturen plus schlechte Arbeitsbedingungen plus miese Honorare fressen zuerst die Seele und dann den Verstand auf. Sie haben vorhin schon festgestellt, dass ich gerne polarisiere. Hier der Beweis: Was viele deutsche Lokalzeitungen ihren Lesern vorsetzen, ist meist noch schlechter als Bratwurstjournalismus. Das ist journalistisches Gammelfleisch. Ungenießbar.
Was andere Aufträge angeht: Ich mache ab und an Recherchen, die gut bezahlt werden, schreibe auch hin und wieder einen Artikel. Die Kollegen, für die ich als Honorarschreiber arbeite, kennen mich und schätzen meine Arbeit. Ich konzentriere mich aber auf meine Blogs. Bis Ende 2010 müssen die profitabel sein, sonst muss ich wieder Aufträge akquirieren. Mein Ziel ist aber: Ich möchte Aufträge an motivierte Mitarbeiter vergeben und diese gut bezahlen. Da will ich hin.

Wörterladen: Was haben Sie vor Ihrem Heddesheimblog von Blogs gehalten? Gibt es welche, die Sie schon aus beruflicher Sicht gelesen haben?

H. Prothmann: Die Diskussion um Blogs hat mich gelangweilt. Ich habe gedacht: So ein Blödsinn, wieso sollen Bürgerblogs den Journalismus bedrohen? Sicher kann jeder Bürger Journalist sein, der Begriff ist ja nicht geschützt und wenn ein Bürger etwas veröffentlicht, hat er journalistisch gearbeitet. Es gibt aber einen deutlichen Unterschied, ob man das gelernt hat und davon leben will oder es nebenbei macht.
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass die Zukunft des Lokaljournalismus im Internet liegt.Ich kam zufällig zu meinem ersten Blog. Da habe ich privat Recherchen ins Netz gestellt. Einige Wochen später wurde daraus das heddesheimblog und bei mir reifte die Idee, daraus ein Geschäft zu machen.

Ich lese jede Menge Medien online, darunter auch Blogs, die für mich als Informationsquelle nicht mehr wegzudenken sind: politik-digital.de, carta.de, blog.kooptech.de besuche ich beispielsweise regelmäßig. Sehr interessant finde ich freitag.de. Aber es gibt noch viel mehr, die ich hier nicht alle aufzählen möchte. Ich habe gerade eine Notiz gemacht, dass ich mal eine Übersichtsseite dazu machen sollte – irgendwann.

Wörterladen: Herzlichen Dank, Herr Prothmann, für das ausführliche Interview und Ihre offenen Worte. Die Zeit wird zeigen, ob mehr Menschen Ihrem Beispiel folgen und lokale Blogs für eine interessierte Leserschaft errichten – wie es in USA schon länger der Fall ist.

Süchtig nach gutem Design

Sonntag, 13. Dezember 2009

Auf der Suche nach möglichen redaktionellen Platzierungen für meinen Kunden artgerecht wohnen bin ich auf Stilsucht gestoßen. Kai Petermann, der Kopf hinter dem süchtig machenden Blog sieht sich selbst als Design-Victim mit dem Hang zu klassischen Autos. Lange Jahre hat er sein Geld als Art Director in der Werbung verdient. Zudem war er stellvertretender Chefredakteur des Online Automagazins Chromjuwelen. Schon früh kam er mit Designthemen in Berührung, die ihn irgendwann nicht mehr losließen. Zurzeit baut Kai Petermann als Creative Director green your life mit auf. Was alle seine Projekte verbindet: Er ist immer mit ganzem Herzen dabei.

Interview mit Kai Petermann, Chefredakteur von stilsucht.de und bekennender Stilsüchtiger

stilsucht_wohnaccesoiresWörterladen: Seit wann gibt es Stilsucht?
K. Petermann: Stilsucht ist noch ein recht junges Projekt, ich habe den ersten Blogartikel am 25. März 2009 um 11:13 Uhr veröffentlicht. Mittlerweile sind weit über 500 Artikel bei Stilsucht online und jeden Tag kommt mindestens ein weiterer dazu.

Wörterladen: Als was definieren Sie selbst Stilsucht? Lifestyle-Blog, Magazin?
K. Petermann: Hm, darüber habe ich mir bisher nur bedingt Gedanken gemacht. Im Normalfall bezeichne ich Stilsucht selbst als Designblog, der eine oder andere Gedankengang führte mich aber auch schon in Richtung Online-Magazin für Design und Lifestyle, wobei diese Bezeichnung irgendwie auch noch nicht überzeugend klingt. In erster Linie ist Stilsucht mein kleines Onlinespielzeug.

Wörterladen: Wie sind Sie auf die Idee von Stilsucht gekommen?
K. Petermann: Ich habe bereits viel Arbeit und Energie in verschiedene Webprojekte gesteckt. Mein liebstes und arbeitsintensivstes war (bis zum Start von Stilsucht) ein Online-Magazin für Motorkultur mit dem Namen Chromjuwelen. Dort habe ich über drei Jahre lang die Rolle des zweiten Redakteurs übernommen und war schon von Anfang an eher in den Design-Themen unterwegs.

Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder über so wahnsinnig tolle Produkte und Projekte gestolpert, die sofort diesen berühmten “haben wollen” Effekt auslösen. In Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt nur wenig (ansatzweise) vergleichbare Seiten wie Stilsucht und ich wollte unbedingt all diese tollen Sachen mit irgendwem teilen. Also habe ich mich einfach irgendwann an die Arbeit gemacht und das Blog aufgesetzt, als ich ein paar freie Tage hatte.

Die Leidenschaft für Produktdesign – denn in diesem Bereich liegt der Schwerpunkt von Stilsucht – wurde schon in den 90er Jahren geweckt und hat sich über die Jahre immer weiter entwickelt.

Wörterladen: Was macht den Erfolg von Stilsucht aus?
K. Petermann: Oh, ist Stilsucht schon so erfolgreich? Nein, mal im Ernst, die Seite hat sich in dieser kurzen Zeit schon toll entwickelt und ist bei vielen Leuten längst zur relevanten Größe geworden. Der Grund dafür ist wahrscheinlich recht einfach zusammen zu fassen und doch nicht gerade mal eben nachzumachen. (Zum Glück, haha.)

Zuerst ist da mal der Name, kurz, prägnant und selbsterklärend. Die kleine Wortspielerei geht vermutlich längst unter. Die gesamte Optik ist sehr aufgeräumt, aber nicht zu langweilig. Die Bilder bringen entsprechende Abwechslung auf die Seite. Die Texte sind meistens sehr kompakt gehalten und entsprechen dem Leseverhalten im Internet. Ich schreibe absichtlich auch nur auf Deutsch – ein weiteres englisches Designblog braucht die Welt ganz sicher nicht. Die großen Bilder unterstützen außerdem die Entscheidung, ob jemand einen Artikel lesen möchte oder nicht.

Natürlich habe ich ein grob angepeiltes Ziel für Stilsucht. Weil das Ganze aber lediglich als Freizeit-Aktivität angelegt ist, habe ich keinen echten Zeitdruck, meine Ziele sofort zu erreichen. Von meinem Wunsch-Traffic bin ich noch ein ganzes Stück entfernt, aber ich bin ja auch erst ein dreiviertel Jahr online – dafür sind die Besucherzahlen wirklich bemerkenswert. Sie haben also durchaus Recht, Stilsucht ist doch schon ziemlich erfolgreich!

Wörterladen: Wie kommen Sie auf die Themen für Stilsucht?
K. Petermann: Die Themenwahl beruht eigentlich auf meinem eigenen Interesse. Ich schreibe grundsätzlich nur über Dinge, die ich selbst gut finde. So kann ich immer beruhigt auf den “Publish” Button klicken, wenn ein Artikel fertig ist.

Wörterladen: Aufdecken von stilprägenden Produkten und Lifestyle-Trends verlangen Gespür und Wissen. Woher haben Sie dieses Gespür?
K. Petermann: Ein guter Freund “beschimpft” mich in regelmäßigen Abständen als Trüffelschwein. Die vielen Jahre Recherche-Erfahrung in diesem Themenbereich haben natürlich auch ihre Spuren hinterlassen und so kann ich sehr schnell sortieren, ob ich ein Thema verfolgen möchte oder nicht. Ich denke, die Mischung aus einem guten Stück Intuition und dem Wissen, wo und wie man gute Themen findet, ist das Geheimnis.

Wörterladen: Wie machen Sie Stilsucht bekannt? Oder wie haben Sie es anfangs bekannt gemacht, um Leser zu gewinnen?
K. Petermann: Zum einen habe ich natürlich von den Menschen profitiert, die meine Artikel schon bei Chromjuwelen verfolgt haben, und von meinem beruflichen Umfeld. Meine Netzwerk aus der Zeit in der Werbebranche  hat mir anfänglich schon eine gute Besucherzahl für meinen Blog beschert. Mund-zu-Mund-Propaganda im digitalen Sinne also. Ganz am Anfang hat Google immer Partneranzeigen ausgespuckt, wenn man nach Stilsucht gesucht hat. Das waren dann immer so Phrasen wie “… geschäftstüchtiger Mann mit Stil sucht …” und ich habe befürchtet, das würde immer so bleiben.

Wörterladen: Aber das ist es zum Glück nicht! Herzlichen Dank, Herr Petermann, für das stilsichere Gespräch.

Social Media im Journalismus

Donnerstag, 3. Dezember 2009

In der Pressearbeit findet derzeit eine starke Verknüpfung zwischen klassischer Kommunikation und Web 2.0 statt. Dass auch Redakteure der klassischen Printmedien immer stärker auf Social Media setzen, haben wir bereits von Björn Sievers, Focus Online, erfahren. Jochen Mai, Ressortleiter Management & Erfolg bei der WirtschaftsWoche ist seit Jahren im Internet zuhause und nutzt das Web als Experimentierplattform für Themen, die beim Leser ankommen. Zudem betreibt er einen erfolgreichen Blog rund um die Jobwelt, Karrierebibel.de. Wörterladen verrät er, seinen spielerischen, aber immer zielgerichteten Umgang mit Social Media.

karrierebibel_JMaiWörterladen: Herr Mai, Social Media ist Ihr zweites Zuhause? Man findet Sie auf Twitter, Facebook, Xing und myON-ID. Wie kamen Sie zu Social Media?
J. Mai: Durch persönliche und professionelle Neugier. Seit Netscape den ersten Browser auf den Markt gebracht hat, war ich fasziniert vom Internet und seinen Möglichkeiten. Das hält bis heute an. Als dann die ersten Blogplattformen auftauchten, habe ich sehr schnell damit begonnen, selbst ein paar Blogs zu schreiben – erst anonym und experimentell, später auch beruflich wie für die WirtschaftsWoche mit „Jo’s Jobwelt“.Karrierebibel dürfte ungefähr mein zehntes Blog sein. Genau kann ich das aber nicht sagen, weil ich meine bisherigen Webseiten, Foren und Blogs nicht wirklich mitgezählt habe. Die Sozialen Netzwerke kamen dann automatisch dazu.Ich wollte wissen, was dort passiert, was die Menschen dort machen, wie es die Arbeitswelt und das Privatleben verändert. Ich selbst habe zum Beispiel via Social Media einige neue Freunde gefunden, mein Beruf und der vieler anderer haben sich dadurch stark verändert und verändern sich noch. Und selbst dieses Interview führen wir vermutlich nur, weil Sie mich über Social Media gefunden haben.

Wörterladen: Ja, das stimmt. Beim Eintritt in die Twitterwelt ist mir Karrierebibel und der Mensch dahinter, Jochen Mai, oft über den Weg gelaufen. Sie führen seit ein paar Jahren ein journalistisches Doppelleben. Auf der einen Seite sind Sie Ressortleiter „Management + Erfolg“ bei der WirtschaftsWoche und zudem Chefredakteur des Blogs Karrierebibel.de. Wie lässt sich beides unter einen Hut bringen? Tagsüber WiWo, nachts Karrierebibel?
J. Mai: Wieso Doppelleben? Das klingt so, als hätte beides nichts miteinander zu tun. Das Gegenteil ist richtig: Ich bin hier wie da Journalist, die Themen sind verwandt und entsprechen meiner Profession, und in beiden Medien suche ich den Dialog mit meinen Lesern – nur eben auf unterschiedlichen Kanälen. Das passt nicht nur gut zusammen, es ergänzt sich sogar. Meine Reputation als Ressortleiter, hilft etwa meiner Glaubwürdigkeit als Autor und Blogger; der Erfolg des Blogs und meines Buchs zahlt umgekehrt auf die Marke WiWo ein.

Ich bin überzeugt, die Tage des Helikopter-Journalismus’ sind ohnehin gezählt. Mal eben eine Story recherchieren, schreiben, abwerfen und ab zur nächsten Story – das funktioniert nicht mehr. Im Netz schon gar nicht. Journalisten werden hier zwangsläufig zur Marke; für sie wird es immer wichtiger, Informationen nicht nur zu sammeln und aufzubereiten, sondern auch die dabei entstehende Diskussion zu moderieren. Aus der Leser-Blatt-Bindung wird allmählich eine Leser-Autoren-Blatt-Bindung. Die meisten meiner Blogbeiträge entstehen übrigens tatsächlich abends oder am Wochenende. WordPress erlaubt einem ja, den Erscheinungstermin von Artikeln vorzudatieren. Mein Arbeitgeber lässt mir aber zudem Freiräume, um auf Kommentare zu reagieren, zu twittern oder Meldungen zu bloggen und beweist damit einen sehr fortschrittlichen Umgang mit dem Medium und dem Berufsbild der Zukunft.

Wörterladen: Seit wann bloggen Sie über Job & Karriere auf karrierebibel.de? War das Buch „Die Karriere-Bibel“ zuerst da und dann das Blog oder ist das Buch aufgrund Ihrer Beiträge entstanden?
J. Mai: Karrierebibel.de habe ich gestartet, nachdem das Manuskript zum gleichnamigen Buch fertig war, rund fünf Monate vor dem Erscheinungstermin. Es gehörte von Anfang an zum Konzept, das Buch mit einem Blog zu verknüpfen, da die Karriere-Bibel ja auch in Tagebuchform aufgebaut ist. Das Ziel war, die Thesen und Themen des Buchs online mit den Lesern fortzuführen, zu diskutieren und mit dem Einwegmedium Buch multimedial zu experimentieren. Die Karrierebibel hat sich inzwischen aber viel weiter entwickelt.

Mein zweites Buch – „Die Büro-Alltags-Bibel“ – ist daraus entstanden sowie einige weitere Ideen, über die ich hier aber noch nichts sagen kann. Zudem ist die Seite mit ihren knapp 2000 Artikeln insgesamt und rund 10.000 Lesern am Tag für mich längst so etwas wie ein Wissensspeicher,  Kontakthof und Thementester geworden.

Wörterladen: Sie nutzen also Themen, die Sie in der Wirtschaftswoche nicht aufgreifen können/ wollen für Ihre Karrierebibel? Oder wie kommen Sie zu Ihren Themen?
J. Mai: Das ist ganz unterschiedlich. Einige Themen entstehen beim Lesen von Büchern, Blogs oder Artikeln, andere bekomme ich angeboten, und wieder andere Artikel entstehen aus Diskussionen, die ich mit Lesern oder Experten per Mail oder Telefon führe. Und dann gibt es noch Themen, die ich im Blog regelrecht teste. Dabei interessiert mich dann etwa, welche Fragen die Leser dazu haben, welche Punkte ihnen wichtig sind, welche Erfahrungen sie dazu haben oder ob meine Ausgangsthese überhaupt stimmt. Das ist dann so eine Art dialogische Vorabrecherche.

Wörterladen: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag bei der WiWo aus? Wie eng sind Ihre Themen bei Karrierebibel mit denen der WirtschaftsWoche verknüpft?
J. Mai: Beides lässt sich kaum trennen, da ich mich beruflich mit ähnlichen Themen beschäftige wie im Blog. Mein Alltag dürfte sich kaum von dem anderer Ressortleiter unterscheiden: Ich bin täglich in einigen Konferenzen, mache Themenpläne, konzeptioniere, organisiere, delegiere, maile viel, telefoniere viel, diskutiere, recherchiere, redigiere, schreibe, lese, reise, … Ich bin vielleicht nur etwas leidenschaftlicher beim Thema Internet als andere und pflege eine öffentliche Affäre mit meinem Beruf.

Wörterladen: Als PR-Berater interessiert mich natürlich, wie viel Prozent der Artikel in Ihrem Ressort aufgrund von Pressemeldungen oder -anfragen entstanden sind?
J. Mai: Nur sehr wenige. 98 Prozent der Pressemitteilungen, die ich bekomme, sind absolut unbrauchbar. Übrigens aus den immer gleichen Gründen: Die Absender kennen weder unser Magazin noch den richtigen Ansprechpartner. Ich bekomme zum Beispiel seit Jahren Mitteilungen zu irgendwelchen Seminaren. Dabei gibt es bei der Wiwo weder eine Veranstaltungsberichterstattung, noch ein passendes Gefäß für solche Hinweise. Wer mir so etwas schickt, outet sich also als Nicht-Leser und Spammer.

Zweitens haben viele Agenturen keinerlei Kenntnis darüber, wie Magazinjournalismus funktioniert. Eine Pressemeldung, die zum Beispiel am Montag an alle Medien geht, ist für uns völlig uninteressant, da sie – bis wir eine Woche danach erscheinen – längst überall gestanden hat. Und drittens haben die Verfasser so gut wie nie den Leser im Blick, sondern lediglich das PR-Interesse des Auftraggebers. Das ist zwar verständlich, aber dumm. Eine Pressemeldung ohne originelle These, ohne wirkliche Nachricht und Nutzen für die Leser landet binnen zwei Sekunden im Papierkorb.

Wörterladen: Wie oft erhalten Sie Pressemeldungen auf Karrierebibel? Und was machen Sie mit diesen? Sehen Sie diese Art von Fremdeinmischung als positiv oder eher lästig an?
J. Mai: Leider erhalte ich auch hier mehr Spam als Nützliches. So schicken mir manche Newsletter, die ich nie bestellt habe; das Gros der Agentur-Schreiben ist völlig unpersönlich verfasst; zudem bekomme ich Anfragen zum Linktausch, obwohl ich schon mehrfach geschrieben habe, dass ich das als unredlich empfinde und penetrante Absender als Spammer oute.

Und in fast allen Fällen handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch, lediglich Werbung zu platzieren, Motto: Als regelmäßige Leser ihrer tollen Webseite würden wir uns freuen, wenn Sie über unsere noch tollere Webseite etwas schreiben würden… Was der Leser davon hat? Kein Wort dazu.  Das ist in der Tat sehr lästig. Es gibt aber auch die wenigen Ausnahmen: Profis, die tatsächlich ein Thema anbieten, das ich noch nicht behandelt habe (womit derjenige gleichfalls beweist, tatsächlich regelmäßiger Leser zu sein) und die dazu entsprechende Informationen für die Leser vorbereitet haben und allenfalls indirekt, über ihre Expertise von sich reden machen. Solche Anfragen bekomme ich gerne.

Wörterladen: Herzlichen Dank, Herr Mai, für das informative Gespräch.