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Stadtmarketing – Tipps, wie Städte ihre Bürger an sich binden

Handfeste Tipps, wie Sie durch richtiges Stadtmarketing die Identifikation von Bürgern mit Ihrer Stadt oder Gemeinde steigern

Eine Stadt ist wie ein Unternehmen – die Bürger sind die Mitarbeiter, der Bürgermeister der Geschäftsführer. Es gibt verschiedene Zielgruppen, die sich in einer Stadt verstanden fühlen wollen. Ich habe Thomas Jahn, Geschäftsführer der AIB-KUR GmbH & Co. KG gefragt, wie der kleine Kurort Bad Aibling es schafft, sich zwischen Ballungszentren wie München, Salzburg und Rosenheim als gefragte Kleinstadt zu behaupten.

Stadtmarketing am Beispiel von Bad Aibling

Investition in Infrastruktur und das Stadtbild sind die Keimzellen für attraktives Stadtmarketing – Foto Casey Hugelfink, flickr

Bad Aibling ist das älteste Moorheilbad in Bayern und gilt bereits seit 1845 als ein herausragender Standort für Gesundheit. Heute befinden sich vor Ort sechs Fachkliniken, ein Akut-Krankenhaus, insgesamt ca. 130 Gesundheitsdiensleister und die bekannten Therme Bad Aibling. Aber die 19.500 Einwohner starke Stadt ist noch viel mehr: Schulstadt und Standort etlicher nationaler und international bekannter Unternehmen. Die vielfältigen Einzelhändler, Einkaufsmärkte und über 70 Gastronome bieten ein perfektes Angebot für die Bürger und Gäste. Groß geschrieben wird auch das kulturelle Leben, Feste, Konzerte, Festivals, Märkte und Brauchtum.

Herr Jahn, Bad Aibling erlebte in den vergangenen 15 Jahren einen enormen Zuzug – so stark, dass die Preise für Grundstücke und Mieten teilweise schon schwierig zu finanzieren sind. Welche Gründe gibt es für diese Entwicklung?

T. Jahn: In meinen Augen hat das mit der sehr guten sozialen Infrastruktur zu tun. Es gibt eine sehr dichte und hochwertige medizinische Versorgung. Alle Schultypen stehen Familien zur Verfügung aber auch 14 Kindergärten, mit Krippen, Horten, usw. werden angeboten. Es gibt sehr viele Arbeitsplätze im Gesundheitswesen, Tourismus, Handwerk und den anderen Unternehmen, sodass Wohnen und Arbeiten in der Stadt möglich ist. Die gute Lage, bzw. Verkehrsinfrastruktur macht Bad Aibling aber auch interessant für Familien, die aus dem direkten Münchner Umfeld wegziehen und zum Arbeiten nach München pendeln. Eine Studie, die wir vor wenigen Jahren erstellen haben lassen, sagt, dass wir ca. 4.100 Auspendler und 3.950 Einpendler pro Tag haben.

Transparenz und Dialogbereitschaft – Erfolgsfaktoren im Stadtmarketing

In einem Unternehmen bringen Transparenz und Dialogbereitschaft der Geschäftsleitung in der Internen Kommunikation Identifikation mit dem Arbeitgeber. Gibt es spezielle Mitspracherechte in der Stadtverwaltung, können Bürger ihren Bürgermeister hautnah erleben?

T. Jahn: Alle Sitzungen des Stadtrates und der Ausschüsse sind öffentlich. Protokolle der Sitzungen können auf der Webseite der Stadt ständig eingesehen werden. Bei bedeutenden Infrastrukturprojekten, wie z.B. der Nordumfahrung gibt es eigene Bürgerversammlungen, Stellungnahmen von Gutachtern und natürlich auch hier die öffentlichen Sitzungen der Gremien. Monat für Monat hält der 1. Bürgermeister der Stadt, Felix Schwaller eine Bürgersprechstunde im Rathaus ab, und man versucht seitens der Verwaltung so viel wie möglich an Informationen über den Internetauftritt aktuell zu kommunizieren.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Praxis nennen, wie sich Bürger gerne mit ihrer Stadt identifizieren?

T. Jahn: Vor einigen Jahren haben wir versucht mit den Kliniken und großen Hotels ein 7 Tage/ 15 Stunden Angebot für Kinderbetreuung auf die Beine zu stellen. Denn gerade im Bereich der Dienstleistung fällt es den Mitarbeitern schwer, Familie/ Kinder und die Anforderungen an den Beruf (speziell Schichtdienst) verträglich zu vereinbaren. Von Seiten der Unternehmen war der Wille sehr groß. Leider sind wir damals durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen eingebremst worden. Doch wir werden es weiter versuchen. Die Arbeitgeber versuchen Immobilien zu kaufen oder anzumieten, um den Mitarbeitern einigermaßen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Ich bin der Überzeugung, dass die Stadt Bad Aibling für Familien aber auch Senioren ein sehr gutes und breites Angebot zur Verfügung stellt. Um nun weiter zu kommen, bzw. neue Ideen zu entwickeln, müssen wir auch als Moderator zur Verfügung stehen. Dieser Rolle versuchen wir gerecht zu werden, um dann auch unsere Kompetenz bei der Suche nach Lösungen beizusteuern.

Die Top Identifikationsfaktoren für Bürgerbindung im Stadtmarketing

Was ist in Ihren Augen der stärkste Identifikationsfaktor der Bürger mit Bad Aibling?

T. Jahn: Die Bürger wissen zu schätzen, was die Stadt für sie und ihre Familien tut. In den vergangenen 10 Jahren hat die Stadt enorme Summen in das Stadtbild und die Stadtentwicklung investiert hat. Dieses Engagement der Stadt haben die Unternehmen und Unternehmer aufgegriffen und ebenfalls große Beträge investiert. Gemeinsam präsentieren wir die Stadt nach außen als lebens- und liebenswerte Gesundheitsstadt, die einerseits Traditionen und das Brauchtum pflegt, aber andererseits stets innovativ und modern denkt und agiert.

Bad Aibling ist Gastgeber für Kurgäste und Urlauber. Wir leben von unserem Image als Gesundheitsort – das spiegelt sich in der Infrastruktur, im Kulturangebot und dem Einzelhandel wider. Von der hohen Bekanntheit und einer großen Attraktivität profitieren somit auch die Bürger. Damit verbunden sind Arbeitsplätze für Menschen aus der Stadt und der Region, die zusammen mit den mehr als 100.000 Übernachtungsgästen und mehr als 650.000 Tagesgästen pro Jahr für Umsatz im Einzelhandel und Dienstleistung sorgen. Diese stetig Entwicklung von harten und weichen Faktoren sorgt für Aufmerksamkeit bei Unternehmen, die schon seit Jahren in der Stadt und der Region tätig sind aber auch bei Neuansiedelungen. Somit steigt die Bereitschaft zu investieren, zu erweitern, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dies führt bei der Stadt dazu, dass Kindergärten und Schulen erweitert werden, das Stadtbild modernisiert wird und weitere Freizeitangebote geschaffen werden.

Mit anderen Worten, die Keimzelle des Erfolgs ist die Bereitschaft und das Bekenntnis der Stadt, in der Gesundheitstourismus langfristig zu investieren. Darauf aufbauend kommen alle anderen Ergebnisse – wobei man in manchen Fällen auch das Glück des Tüchtigen einfach braucht.

Sind Sie neugierig geworden, wie andere Städte ihre Bürger an sich binden und wie Ihre Stadt es schafft, sich ihren Bürgern als offen und modern zu präsentieren? Die Tipps mit vielen Beispielen lesen Sie in der aktuellen PRPraxis 25/2016.

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